An Legg Masons Vorzeige-Fondmanager Bill Miller scheiden sich zur Zeit die Geister. Hat er den Kontakt zur Realität verloren, wie manch einer auf Gurufocus glaubt? Oder spielt der Markt einfach nur verrückt, wie er es Ende der 90er Jahre tat, als manch einer auch Warren Buffett abgeschrieben hat? Bill Miller jedenfalls sieht sich in der selben Situation wie Buffett damals: Die Werte in seinem Portfolio werden vom Markt einfach nicht in Preisen ausgedrückt. Die Preise stimmen jedenfalls nicht: Bill Millers Value-Trust-Fund hat in nur zwei Monaten 14,9% verloren (ifaonline.co.uk), was sich im ersten Quartal auf 19,7% Verlust ausweitete (der S&P 500 hat in der Zeit nur 9,5% verloren). Nachzulesen ist das im Quartalsbericht.
Dass er das Geld seiner Anleger auf Bear Stearns gesetzt hat, von dem bekanntlich nicht viel übrig geblieben ist, wurde in der Presse genüsslich ausgeweidet. Dass er bei solchen Gelegenheiten entgegnet, mit z.B. Amazon habe er viel mehr Geld verloren, wird seinem Ruf als Superinvestor wahrscheinlich auch nicht wiederhergestellt haben.
Ob Amazon bei den Preisen so eine gute Wahl war, bezweifel ich zwar, kann mich aber auch irren. Dass Bill Miller nicht nach der Perfomance von eineinhalb Jahren beurteilt werden kann, davon bin ich allerdings überzeugt. Immerhin ist er derjenige, der den S&P 500 fünfzehn Jahre in Folge geschlagen hat. Niemanden kann das aber dauerhaft und mit Sicherheit gelingen. Das ist ja gerade der Witz am wertorientierten Investieren: Man kauft Firmenanteile, weil sich ihr Wert nicht in den Preisen wiederspiegeln, man aber davon ausgeht, dass es irgendwann einmal wieder so sein wird. Wann, kann man nicht sagen. Und dass es Miller nicht wissen kann, sagt er auch offen. Und er sagt es mit Witz, wie man in diesem Video auf Morningstar beobachten kann.
Wenn man die Irrationalitäten des Marktes ausnutzen will, darf man von dem Markt nicht verlangen, auf der Stelle wieder rational zu werden, nur weil man eingestiegen ist.
In der Vergangenheit dauerte das allerdings nie besonders lange. Auf einer Konferenz im April verwies Miller auf die beiden schlechtesten Quartale in seiner Karriere: “My previous two worst quarters (prior to Q1 2008) were in 1987 and 1990″
“But in 1998 I had the best performing fund, and in 1991 I began 15 straight years of outperformance.” (Quelle: ifaonline)
Bill Miller - Wunschdenken oder aufgeschobene Outperformance?
Juni 28, 2008 von Richard Havelka
[...] 29, 2008 von basil2000 In dem gestern empfohlenden Interview mit dem Fondmanager Bill Miller, ging dieser auf das Dilemma ein, in dem [...]