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Ob jemand reich oder arm ist, entscheidet sich nicht alleine daran, ob jemand viel oder wenig verdient, geerbt hat oder im Lotto gewonnen hat. Es kommt auch darauf an, wie man sein Geld ausgibt.

Wenn es um Wohlstand und Vermögen geht, blicken die meisten immer nur auf die Einkommensseite. Und das hat Folgen. Um das Einkommen zu steigern, gehen Menschen unglaubliche Kompromisse ein: Sie arbeiten in Berufen, die sie hassen, studieren Fächer, nur weil deren Abschlußzeugnis ein gutes Einkommen verspricht und sie degradieren ihre Leidenschaften zum Hobby. Sie arbeiten und arbeiten und treffen laufend Entscheidungen im Hinblick auf ihre Karriere, ihren Job, potentielle Personaler und verlieren dabei aus den Augen, was sie selbst für wichtig halten (Sich das Ziel zu setzten, sich von dem imaginären Personaler im Kopf zu befreien, halte ich für den wichtigsten Rat in dem Buch “Wir nennen es Arbeit” - wichtiger als den ganzen Rest).

Doch wenn es um die Frage geht, wie man das Geld möglichst lukrativ ausgibt, werden reihenweise die Ohren zugeklappt, als verlange die bloße Auseinandersetzung mit dieser Frage mehr Anstrengung als alle Überstunden eines Berufslebens zusammen. Doch: Wenn man sich ein wenig mehr anstrengt zu überlegen, wie man sein Geld lukrativ ausgibt, kann man ungleich mehr Anstrengungen sparen, mehr Einkommen heranzuschaffen.

Leider stimmt auch dieses: Dass man Geld lukrativ nur ausgeben kann, wenn vom Einkommen etwas übrig bleibt. Der große Ungleichheitsmacher: Der Zinseszins. Wer ständig im Minus ist, den halten vor allem die Schulden in den Schulden. Nur wer im Plus ist, kann den immer noch und immer wieder unterschätzten Effekt für sich arbeiten lassen. Wie man aus den Schulden raus und ins Plus kommt, kann hier nicht Thema sein. Aber es wichtig daran zu erinnern, dass man es hier mit Dynamiken zu tun hat, die jede Rede von Leistungsgerechtigkeit zum Hohn werden lassen. Doch wenn man schon an den Dynamiken selbst so ohne weiteres nichts machen kann, so kann man doch lernen, sie sich zu Nutze zu machen. Warum ist die Frage des Geldausgebens so entscheidend? Es gibt mehrere Gründe.

1. Die größeren Freiheiten liegen in der Regel auf der Ausgabenseite - und damit die meisten und unmittelbar zur Verfügung stehenden Gestaltungsmöglichkeiten

Die entscheidende Einschränkung gleich zuerst: Für viele ist an Vermögensbildung gar nicht zu denken. Wer sein gesamtes Einkommen für überlebensnotwendige Notwendigkeiten ausgeben muss, hat auch keine Freiheiten auf der Ausgabenseite. Alle anderen sollten sich fragen, welche Ausgaben tatsächlich so notwendig sind, wie sie glauben. Gerade die Mittelschicht sieht sich von lauter Notwendigkeiten umgeben, die sicherlich keine sind. Jeder Kauf bedeutet den Verzicht auf die Unabhängigkeit, die man sich stattdessen damit erkaufen könnte, dass man das Geld in die Vermögensbildung hätte stecken können.

Nur wenige können ihr Einkommen bestimmen, aber bei den meisten bleibt doch nach Abzug aller lebensnotwendigen Ausgaben soviel übrig (oder könnte übrig sein), dass sie auf der Ausgabenseite etwas haben, worüber sie völlig frei bestimmen können. Das ist der Raum der Souveränität, den man nutzen kann - und sollte. (Doch weil Freiheit schwer erträglich ist, sorgen viele unbewusst dafür, dass nichts übrig bleibt. )

2. Sich nur auf eine Einkommensquelle zu  verlassen, ist viel zu riskant.

Wenn es nur um die Aktienanlage geht, ist es inzwischen Gemeinplatz, dass man nicht alles, was man hat, auf ein Unternehmen setzen sollte. Es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren und was gestern noch höchst solide war, ist heute schon quasi insolvent (jeder Tag bringt heute neue Beispiele). Doch obwohl den meisten das in der Theorie klar ist, setzten es die wenigsten konsequent um. In Bezug auf ihr Aktienportfolio - soweit sie eines besitzen - schon. Aber wenn es um ihr Leben geht - nein. Die meisten Menschen setzten alles auf eine Karte: Ihre Arbeitsstelle. Sie haben kein Einkommen mehr, wenn ihre Firma pleite geht, ihre Abteilung aufgelöst wird oder ihrem Chef auf den Geist gehen. Oder sie legen ihr ganzes Geld in eine einzige - und wie man gerade sieht: alles andere als sichere - Anlageklasse an: Immobilien. Der scheinbar soldide Normalfall: Ein Einkommen und ein Haus. Nicht ganz das, was man unter Diversifikation versteht. Vor allem, wenn der Bank das Haus gehört und alle Einkommensüberschüsse abgreift, die man noch anderweitig hätte anlegen können. So kommen nicht einmal diejenigen, die viel verdienen in die Situation, mit ihrem Arbeitgeber auf Augenhöhe verhandeln zu können - weil niemand, dem eine große Hypothek im Nacken sitzt, im Zweifelsfall einfach gehen kann. Sich um andere Einkommensquellen zu kümmern - auch wenn diese einen nicht gleich unabhängig werden lassen - ist also ein absolut notweniger Beitrag, um sein grundlegendes finanzielles Risiko zu senken.

3. Einkommen aus abhängiger Arbeit steigert sich nicht dynamisch - angelegtes Geld schon

Normale Lohnsteigerungen bewegen sich in der Regel nur um die Inflationsrate - sind also meistens gar keine realen Lohnsteigerungen. Reale Lohnsteigerungen sind nur über Beförderungen und Arbeitsplatzwechsel zu erreichen. Dynamisch ist das alles nicht. Nur das eigene Geld, das man selbst anlegt, kann dynamisch wachsen: Je mehr Geld man anlegt, desto größer der Ertrag, je größer der Ertrag, desto mehr Geld etc. Wer sich noch nie mit dem Zinseszins-Effekt beschäftigt hat, sollte auf jeden Fall mal ein paar Szenarien durchspielen (hier z.B.)

Das Projekt, sich einen Überblick über die vorhandenen Aktienblogs zu verschaffen, wird hiermit beendet. Es kostet Zeit und der Ertrag ist zweifelhaft. Ich höre nicht auf, nach Blogs und anderen Seiten zum Thema Aktienanlage zu forschen, bei denen man tatsächlich etwas lernen kann. Ich sage Bescheid, wenn ich etwas gefunden habe.

Das Protokoll des letzten Stöberns:
Da gibt es Blogs, die sich mit der Börse beschäftigen, aber nicht mit den Unternehmen - ein Ansatz, der langfristig in die Hose gehen muss. So wie dieser: http://basili.wordpress.com/ Auf diesen Blog werde ich noch zurückkommen, wenn es darum geht zu zeigen, wie man gezielt Werte vernichtet. Persönlich wünsche ich dem Blogger ja gute Erfahrungen. Möglich ist es, wahrscheinlich nicht.
Dann gibt es Blogs - und das sind die meisten -, bei denen die Autoren alles mögliche aufschreiben, so dass es gar nicht möglich ist, eine klare Tendenz zu erkennen. Sie funktionieren eher wie private Blogs. So wie der Finanzblog (Die Bebilderung des Artikels über Blasenbildung ist allerdings toll.) Dann gibt es die Blogs, in denen sich zwar auf ein Thema konzentriert wird, aber auch hier ohne erkennbaren Zusammenhang einfach alles gesammelt wird, was so im Internet zu finden ist. Wie hier zum Thema Fonds: http://blog.fundexplorer.ch/ oder hier zu allem möglichen: http://www.shares-online.de/.

Es ist gut, hier aufzuhören, damit dieser Blog nicht auch zu einer Sammlung von allem möglich wird. Gelohnt hat es sich dennoch. Die Notwendigkeit, es besser zu machen, ist mir jetzt deutlicher als zuvor.

Börsennotizbuch: Die Qualität steigert sich ein wenig: Das Börsennotizbuch orientiert sich an Autoren wie Graham, Buffett und Lynch (aber offensichtlich nicht nur oder jedenfalls nicht konsequent) und der Autor liest sich offensichtlich breit durch die Wirtschaftspresse. Aber es ist alles so unübersichtlich! Dazu gehen die interessanten Beiträge (z.B. der Hinweis auf das Buffett-Interview) unter lauter Kurzfrist-Spekulations-Krimskrams unter.

http://boersenweisheiten.blogspot.com/ Der gleiche Autor, andere Seite. Nein, so geht das nicht. Das ist das Bauernregel-Prinzip. Überraschende Zitate können wohlplaziert tolle Wirkungen erzielen, ja sogar zu Erkenntnissen führen. Aber ohne Kontext und zusammengesammelt haben sie soviel Charme wie 1000-Witze-für-alle-Gelegenheiten-Bücher.

http://aktien-blog.com/ Eine Karikatur auf zwielichtige Börsenbriefe? Nein, hier wird alles ernst gemeint: 900% Wertsteigerung! Goldfunde in Aussicht! Kaufen! Jetzt! Hier wird nicht investiert, hier wird auf Hypes gesetzt und viel Werbung geschaltet. Schnell weiter zum nächsten:

http://www.dasboersenblog.de/ Okay, hier wird versucht, News zu bringen. Das passiert auch: Alle paar Tage gibt es ein, zwei News. Aber wozu? Was soll das? Was ist besser daran, in einem Blog unregelmäßig die News nachgeliefert zu bekommen als gleich selbst in der Wirtschaftspresse nachzulesen? Eine thematische Auswahl ist nicht zu erkennen, gezielte Analysen auch nicht. Morgen geht es weiter. Es kann nur besser werden.

http://www.boersenweblog.de/

Der Börsenweblog mit der lustigen Titelzeile: “Die Nachrichten von heute sind die Kurse von morgen”. Also, das wäre wirklich toll.

Aber zu den Inhalten. Das ist schön: Es gibt eine Liste der “besten Artikel”.

Als bester Eintrag gilt der Eintrag mit der Überschrift “Ken Fisher traut dem DAX 12000 Punkte zu“.
FocusMoney spricht mit Fisher, der dem “DAX 12000 Punkte” zutraut. Auf Wallstreet-Online sieht das jemand anders. Ich hoffe nicht, dass das wirklich der beste Artikel ist. Amüsant ist jedenfalls, dass die Wetterprognose keinen Zeitrahmen angibt, bloß, dass dem DAX 12000 Punkte zugetraut werden. Also irgendwann einmal? Das traue ich ihm allerdings auch zu! Als “irrsinnige Prognose” würde ich das nicht gerade bezeichnen.

Zweitbester Artikel: Eine persönliche Einschätzung, ob das Bloggen im Freundeskreis der Autorin eigentlich sehr bekannt ist (eher nicht so) und ob es nicht insgesamt überschätzt wird (ja, schon ein bißchen).

Drittbester Artikel: “Arquana druckt schon an seiner Todesanzeige” Hey! Das klingt nach Inhalt, Analysen, nein doch nicht.  Die Analyse der wirtschaftlichen Situation des sich im Insolvenzverfahren befindenen Unternehmens beschränkt sich auf: “Zwei Möglichkeiten sehe ich: Entweder Arquana saust mit Riesenschritten in die Pleite oder das Unternehmen berappelt sich in den kommenden Monaten wieder.” Wow!

Soviele Autoren, soviel Werbung, soviel Einträge, sowenig Inhalt.

Ständig wird darüber geklagt, dass es in Deutschland zu wenig Aktionäre gäbe. Das wird dann als mangelhafte Aktienkultur bezeichnet und auf die gering ausgeprägte Risikomentalität der Deutschen zurückgeführt.
Das zeugt von schlechter Aktienkultur: Ihre Qualität an der Zahl der Aktionäre zu messen. Und nationale Besonderheiten mit Mentalitätsunterschieden zu erklären zeugt zudem noch von schlechtem intellektuellen Geschmack.
Worum es wirklich schlecht bestellt ist, ist die Art, in der öffentlich über Aktien (und Aktienkultur!) gesprochen wird. Die geringe Zahl an Aktionären ist vielleicht eine Folge davon.

Anziehend ist das Sprechen über Aktien im Moment jedenfalls selten. Geben wir es doch zu: Wenn sich im Bekanntenkreis jemand für die Börse interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er zu denen gehört, die man nicht auf seiner Party haben mag. Dass es sich um einen “ihn” handelt, ist sehr wahrscheinlich. Wenn in den Medien über Aktien gesprochen wird, hört man zumeist altkluge Weisheiten, die einen Erkenntniswert haben, mit dem sich Bauernregeln über das Wetter problemlos messen können oder Spekulationen, die bereits als langfristig gelten, wenn am Vormittag über die Börsenentwicklung des Nachmittags gesprochen wird. Wenn man nach Blogs sucht, die sich mit Börsen beschäftigen, findet man haufenweise schlecht designte und mit Werbung überfrachtete Baustellen, in denen Kursverläufe gedeutet werden, als handle es sich um astrologisch bedeutsame Sternenkonstellationen.
Aber vielleicht gibt es ja Perlen unter den vorhandenen Blogs? Über den Weg gelaufen, sind mir bislang keine. Die Suche nach diesen wird Gegenstand der nächsten Einträge sein. Für Hinweise bin ich dankbar.
Folgende Blogs sollen zunächst mal näher betrachtet werden:

  • http://www.boersenweblog.de/
  • http://www.boersennotizbuch.de/
  • http://blog.zeitenwende.ch/
  • http://aktien-blog.com/
  • http://boersenweisheiten.blogspot.com/
  • http://www.dasboersenblog.de/
  • http://basili.wordpress.com/
  • http://finanzblog.kaywa.com/
  • http://blog.fundexplorer.ch/
  • http://www.geld-kompakt.de/
  • http://blog.zeit.de/
  • http://www.investorsinside.de/
  • http://www.shares-online.de/
  • http://trendgedanken.de/
  • http://www.weissgarnix.de/
  • http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/
  • Soviel erstmal. Mehr hält mein schwaches Gemüt nicht aus. Dass hier Blogs etablierter Medien mit allen möglichen anderen Blogs zusammengeworfen werden, ist Absicht: Google und Zufall sind die Auswahlkriterien. Vollständigkeit im Internet erreichen zu wollen ist Blödsinn. Es geht darum, einen Eindruck zu bekommen. Und genügend Gründe, es besser zu machen.

    In dem gestern empfohlenden Interview mit dem Fondmanager Bill Miller, ging dieser auf das Dilemma ein, in dem alle wert-orientierten Fondmanager und mit ihnen alle ihre Anleger stecken: Die Leute ziehen ihr Geld aus dem Fond, wenn sie es reinstecken sollten.
    Die Folge? Miller muss zu Preisen verkaufen, die er für Schnäppchen hält, während er doch eigentlich zukaufen will. Umgekehrt zu guten Zeiten, zu denen Fondmanager mit Geld überhäuft werden, mit dem sie gar nichts anfangen können, weil aufgrund der hohen Preise die Gelegenheiten rar sind.
    Die Lehre, die man daraus ziehen kann, liegt auf der Hand: Man sollte seine Anlageentscheidungen nicht delegieren und auch noch dafür bezahlen. 80% aller Fondmanager sind schlechter als der Markt und der Rest wird von den eigenen Kunden zu irrationalen Handlungen gezwungen.

    Aber wer will denn klagen? Wenn man Irrationalitäten entdeckt, sollte sich der vernünftige Anleger überlegen, wie er davon profitieren kann. Millers Fond gehört zu der börsengelisteten Firma Legg Mason - einem der größten Vermögensverwalter der Welt. Millers Value Trust Fund ist nur einer von vielen Fonds, die Legg Mason verwaltet und Fonds sind nicht das einzige, was Legg Mason verwaltet. Aber Miller ist durch seinen fünfzehn-Jahre-besser-als-S&P500-Rekord populär. Alle schauen jetzt auf ihn wie einen gefallenen Star. Wer nicht gerade sein eigenes Geld vor ihm in Sicherheit bringt, weiss aber doch, dass ihm die Leute weglaufen. Das steht unübersehbar in den Zeitungen. Zu der Überreaktion auf das schlechte Abschneiden Millers der Fondanleger gesellt sich also noch eine zweite Überreaktion: Legg Mason rennen die Aktionäre weg.
    Vor zwei Jahren noch über 130$ wert, bekommt man Legg-Mason-Aktien jetzt für unter 45$. Damit liegt der Preis der Firma unter Buchwert, also dem Preis, den man bekäme, würde man den Laden dicht machen und alle Konten auflösen. Die heftige Börsenreaktion liegt zwar nicht nur an dem schlechten Abschneiden einiger seiner Fonds, sondern (neben der allgemeinen Nervosität) auch daran, dass sie einigen ihrer Fonds mit Geld aushelfen musste, heißt aber nicht, dass die Firma auf dem Weg in den Bankrott ist (die Zahlen sind da sehr vertrauenserweckend).
    Legg Mason gibt an, Vermögen im Wert von rund 950Mrd.$ zu verwalten (Assets under Managemant: AUM). Bis vor kurzem standen sie noch voll auf Wachstumskurs. Von Martin Whitman gibt es die Fausregel, nach der ein Vermögensverwalter mit rund 2% der AUM bewertet werden kann - schließlich macht er das Geld ja mit prozentualen Gebühren auf das verwaltete Vermögen. Das wären bei Legg Mason rund 19Mrd.$ - also gut dreimal so viel wie an der Börse bewertet. Eine abschließende Bewertung ist das alles natürlich nicht, aber ein guter Hinweis darauf, dass es sich lohnt, hier genauer hinzuschauen.
    Ein paar weitere gute Hinweise liefert die Seite gurufocus.com, die die Käufe und Verkäufe der angesehensten Anlager von Warren Buffett bis, nun ja, Bill Miller verfolgt. Und keine Firma wurde in letzter Zeit von den Profis so eifrig gekauft wie Legg Mason: Zu einem Durchschnittspreis, der deutlich über dem liegt, zu dem wir jetzt einkaufen können.

    Disclosure: Ich besitze z.Z. keine Aktien von Legg Mason, habe aber vor, das in naher Zukunft zu ändern.

    An Legg Masons Vorzeige-Fondmanager Bill Miller scheiden sich zur Zeit die Geister. Hat er den Kontakt zur Realität verloren, wie manch einer auf Gurufocus glaubt? Oder spielt der Markt einfach nur verrückt, wie er es Ende der 90er Jahre tat, als manch einer auch Warren Buffett abgeschrieben hat? Bill Miller jedenfalls sieht sich in der selben Situation wie Buffett damals: Die Werte in seinem Portfolio werden vom Markt einfach nicht in Preisen ausgedrückt. Die Preise stimmen jedenfalls nicht: Bill Millers Value-Trust-Fund hat in nur zwei Monaten 14,9% verloren (ifaonline.co.uk), was sich im ersten Quartal auf 19,7% Verlust ausweitete (der S&P 500 hat in der Zeit nur 9,5% verloren). Nachzulesen ist das im Quartalsbericht.
    Dass er das Geld seiner Anleger auf Bear Stearns gesetzt hat, von dem bekanntlich nicht viel übrig geblieben ist, wurde in der Presse genüsslich ausgeweidet. Dass er bei solchen Gelegenheiten entgegnet, mit z.B. Amazon habe er viel mehr Geld verloren, wird seinem Ruf als Superinvestor wahrscheinlich auch nicht wiederhergestellt haben.
    Ob Amazon bei den Preisen so eine gute Wahl war, bezweifel ich zwar, kann mich aber auch irren. Dass Bill Miller nicht nach der Perfomance von eineinhalb Jahren beurteilt werden kann, davon bin ich allerdings überzeugt. Immerhin ist er derjenige, der den S&P 500 fünfzehn Jahre in Folge geschlagen hat. Niemanden kann das aber dauerhaft und mit Sicherheit gelingen. Das ist ja gerade der Witz am wertorientierten Investieren: Man kauft Firmenanteile, weil sich ihr Wert nicht in den Preisen wiederspiegeln, man aber davon ausgeht, dass es irgendwann einmal wieder so sein wird. Wann, kann man nicht sagen. Und dass es Miller nicht wissen kann, sagt er auch offen. Und er sagt es mit Witz, wie man in diesem Video auf Morningstar beobachten kann.
    Wenn man die Irrationalitäten des Marktes ausnutzen will, darf man von dem Markt nicht verlangen, auf der Stelle wieder rational zu werden, nur weil man eingestiegen ist.
    In der Vergangenheit dauerte das allerdings nie besonders lange. Auf einer Konferenz im April verwies Miller auf die beiden schlechtesten Quartale in seiner Karriere: “My previous two worst quarters (prior to Q1 2008) were in 1987 and 1990″
    “But in 1998 I had the best performing fund, and in 1991 I began 15 straight years of outperformance.” (Quelle: ifaonline)

    Es sind herrliche Zeiten für jeden, der noch Geld auf der Kante hat und Nerven, sich eine eigene Meinung über den Aktienmarkt zu bilden.

    Bis Ende des Jahres kann man noch sein Portfolio steuerfrei gestalten - steuerfrei jedenfalls für Kursgewinne, die nicht innerhalb eines Jahres realisiert werden.

    Dass der Markt noch einmal pünktlich vor Jahresende so viele hervorragende Chancen bereitstellt, hätte man sich ja nicht zu wünschen gehofft. Danke Ölpreis!

    Jetzt geht es also darum die Unternehmen zu finden, die in 50 bis 80 Jahren noch existieren und bis dahin überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet haben und diese möglichst nicht in nicht-steuerfreien Dividenden ausgeschüttet haben. Nennen wir sie Supervalue-Aktien.

    Obwohl man wahrscheinlich angesichts eines solchen Zeitraumes das Gegenteil vermuten würde: Solche Unternehmen sind wahrscheinlich einfacher zu finden, als solche, für die das in einem Zeitraum von einem Jahr oder weniger gilt.